Warum sich ein Paradigmenwechsel nicht einfach an die Wand kleben lässt

mehr als ein neuer anstrich

Beim diesjährigen BarCamp vom Konnektiv62 am 17. September 2026 ging es um genau dieses Thema: Paradigmenwechsel. Und auf einmal sah ich diese Person an der Wand, mit Tape befestigt. Eine Sprechblase: „Hi!“. Mein Blick blieb hängen, und ich musste schmunzeln. Ein kleines Detail – und gleichzeitig eine ziemlich gute Metapher für Veränderung. Denn Tape markiert und macht sichtbar: Hier ist etwas. Hier beginnt etwas. Schau hin!

Wir brauchen Markierungen, um Neues sichtbar zu machen. Denn sie schaffen im ersten Schritt einen Raum für Orientierung:

• Wo stehen wir gerade?
• Wo wollen wir hin?
• Was soll sich verändern?
• Und was bleibt?

Nur: Tape ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Man kann es wieder lösen, den Rahmen verändern, eine neue Grenze setzen oder sie ganz verschwinden lassen. Gerade bei einem Paradigmenwechsel reicht es nicht, neue Begriffe, Methoden oder Strukturen auf das Bestehende zu kleben. Wir dürfen immer wieder und wohlwollend prüfen, ob die Realität ihnen schon folgt.

Räume für das Dazwischen

Vielleicht ist genau das eine Aufgabe von Change-Begleitung: Markieren, ohne festzuschreiben. Denn es braucht Räume, in denen wir wahrnehmen können, wo wir stehen. Räume, in denen wir unsere bisherigen Annahmen hinterfragen und Möglichkeiten ausprobieren können. Räume für Irritation. Für Begegnung. Für ein erstes „Hi!“ zu etwas, das noch ungewohnt scheint. Dabei geht es nicht darum, den Weg bereits zu kennen oder die nächste große Veränderung vorwegzunehmen. Es geht vielmehr darum, etwas sichtbar zu machen, das vorher vielleicht nur vage spürbar war. Einen Gedanken. Eine Frage. Eine andere Perspektive. Einen möglichen nächsten Schritt.

Denn ein Paradigmenwechsel beginnt nicht unbedingt mit einer großen Transformation. Oft beginnt er viel unspektakulärer: mit einem Moment, in dem etwas nicht mehr ganz so selbstverständlich erscheint wie zuvor. Mit einer Irritation, die neugierig macht. Mit der Erlaubnis, anders zu denken, ohne sofort anders handeln zu müssen. Manchmal beginnt er ganz klein. Mit einem Anhaltspunkt an der Wand und einem: „Hi!“

Und vielleicht ist genau das der erste Schritt: nicht schon zu wissen, wohin die Reise geht, sondern bereit zu sein, dem Ungewohnten überhaupt erst einmal zu begegnen.

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Wieso Emotionen Teil von Veränderung sind