Wie Jugendliche den Tod erleben

Was ist das eigentlich, der Tod?

Eigentlich wissen wir alle, wie das Leben so abläuft: Wir werden geboren und wir sterben. Doch wenn der Tod überraschend in unserem Umfeld auftaucht, kann das starke Gefühle auslösen und unseren Alltag mächtig auf den Kopf stellen. Trauer und Tod können die mentale Gesundheit von Jugendlichen stark beeinflussen - je nach Persönlichkeit, Vorerfahrungen, sozialem Umfeld und Art des Verlusts. Zudem befinden sie sich in einer sensiblen und komplexen Entwicklungsphase hinsichtlich Identität, Emotionen und Leistungs-/ bzw. Erwartungsdruck. Ein Verlust kann diese Prozesse verstärken oder destabilisieren.

In der Pubertät entwickeln Kinder ein Verständnis für den Tod und können diesen in ihr Weltbild integrieren. Sie erkennen die biologischen, sozialen und psychologischen Veränderungen, die mit dem Versterben einer Person einhergehen. Probleme in dieser Altersklasse entstehen jedoch durch die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit wie aber auch die von nahestehenden Personen. Auch der frühere Verlust einer Bezugsperson kann plötzlich wieder akut erlebt werden und zu Belastungen führen. In dieser Phase benötigen Teenager häufig vermehrt Hilfe, um zu erkennen, dass ihre Trauer zulässig und individuell erlebbar ist und einen wichtigen Bestandteil des Lebens darstellt.

Wir reden mit jugendlichen über den tod

Im Rahmen der Schülerarbeitswoche am St. Benno-Gymnasium in Dresden haben wir zu diesem sensiblen Thema im Dezember aufgeklärt und Raum für Schüler*innen der 8. - 10. Klasse zum Gesprächsaustausch geschaffen. Zur Veranschaulichung besuchten wir gemeinsam den Trinitatisfriedhof in Dresden. Hier erhielten wir durch die Leiterin der Friedhofsverwaltung, Beatrice Teichmann, Einblicke in eine kulturhistorische Grabstätte und Geschichten rund um die Ruhestätte.

Während der Veranstaltung sind wir mit den jungen Menschen zum Thema Tod in den Dialog gekommen, haben verschiedene Perspektiven kennengelernt und uns zu folgenden Fragen ausgetauscht:

  • Warum müssen Menschen sterben?

  • Wie äußert sich die Trauer?

  • Womit kann ich andere trösten?

  • Welche Rituale gibt es im Umgang mit dem Sterben?

  • Und was passiert nach dem Tod?

Bei Umgang mit einem trauernden Teenager ist auf die Dauer und Intensität zu achten

Es ist entscheidend, sich dem Kind in seiner ihm spezifischen Trauer zuzuwenden und diese gemeinsam zu erleben, um emotionalen, psychischen und teilweise auch körperlichen Problemen entgegenzuwirken. Unverarbeitete Trauer kann zu sozialem Rückzug, Schlaf-, Konzentrations- und Essstörungen sowie Schulproblemen führen. Besonders bei pubertierenden Kindern führt Trauer häufig zu einer Ohnmacht dem Geschehenen gegenüber sowie Wut, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit, die schnell negative Folgen haben kann. Im Umgang damit können folgende Dinge unterstützen:

  • Verständnis für das Sterben und den Tod schaffen

  • Ernst genommen werden

  • Offene Gespräche ermöglichen

  • Nähe und Sicherheit schaffen

  • Ausdruck von Gefühlen fördern (kreative Wege wie Schreiben, Malen)

  • Gleichaltrige und Austausch nutzen

  • Geduld mit Veränderungen haben

  • Hoffnung ohne Druck ritualisieren

  • Professionelle Hilfe holen

In der Trauerarbeit sollten Kinder in nahezu alle Schritte integriert werden, sofern sie dies wünschen. Dabei ist es wichtig, dass sie sich nach entsprechender Vorbereitung von der verstorbenen Person verabschieden können, an Ritualen und der Beerdigung teilnehmen dürfen und Antworten auf ihre Fragen erhalten. Es ist in dieser Phase hilfreich, wenn sich eine erwachsene Person, die als Vertrauensperson fungiert und nicht selbst zu sehr mit ihrer eigenen Trauer beschäftigt ist, dem Kind annimmt und es durch diese Zeit begleitet. Jugendliche brauchen Zeit, eine klare Sprache, regelmäßige Strukturen, verlässliche Bezugspersonen und erlebte Gemeinschaft, um ihre Gefühle wahrzunehmen und einzuordnen. Die Schule spielt eine wichtige unterstützende Rolle – ebenso die Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.

🙏 Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit mit dem St. Benno Gymnasium, der Verwaltung des Trinitatisfriedhof Dresdens und der Projektkoordination der Dresdner Stadtteilfriedhöfe, Natalie Reith.

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